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Aus der Geschichte des Kindergartens in Plaue |
Im
April 1896 wurde der Kindergarten Plaue – genannt das „Kinderheim“ – von
der Familie von Schierholz gestiftet.
Die erste
Leiterin war eine Schwester aus dem Henriettenstift in
Hannover, Fräulein Steinmann, die hier die Kinder bis 1899 betreute.
Am 12. April 1899 begann Fräulein Auguste
Lindemann (Bild)
– genannt die „Lindetante“, ihre Tätigkeit im plaueschen Kindergarten.
Sie wohnte sogar in einem Zimmer des Hauses. Ihre Ausbildung erhielt sie im
Oberinhaus bei Potsdam. Den älteren Bürgern von Plaue ist sie die bekannteste
Kinderheimtante aus der damaligen Zeit. Später bekam sie noch eine Helferin –
Fräulein Döring.
Bis zu 50 Kinder
wurden im einzigen großen Raum von Fräulein Lindemann betreut, in dem sich ein
Podium mit Tisch und Stuhl befand. Für widerspenstige Kinder hatte sie ständig
ein Stöckchen zur Hand. Gespielt wurde mit sehr wenig Spielzeug. Ehemalige
Kindergartenkinder erinnern sich daran, dass gesungen und gebastelt wurde, dass
es im Sommer ein Sommerfest gab und zu Weihnachten die „gnädige“ Frau von
Schierholz zur Bescherung kam. Frühstück und Mittagessen musste mitgebracht
und auf einem kleinen Herd aufgewärmt werden.
Die Industrialisierung der Stadt Plaue durch die Familie von Schierholz veränderte auch die soziale Situation des Ortes. Bedingt durch die Erweiterung der Porzellanmanufactur und den Erwerb von neuen Besitztümern wurden immer mehr Arbeitskräfte benötigt. So erhielten alle Tischler von Plaue den Auftrag, Tische und Stühle für den Kindergarten zu bauen, die auch nach Kriegsende 1946 noch gut erhalten waren.

Die in dieser
Zeit tätigen Erzieherinnen hatten bereits eine gründliche Ausbildung als
Kinderpflegerin. Die Erziehungsziele und Gedanken Friedrich Fröbels bestimmten
ihre Arbeit.
1938 übernahm
Friedel Schlichter die Leitung des Kindergartens.
Im Frühjahr 1946
beschädigten das Hochwasser und die Brückensprengung zum Kriegsende das Haus
und den Garten sehr stark. Außerdem wurde der Kindergarten vorübergehend als
Bleibe für Flüchtlinge und eine Familie genutzt, die ihre eigene Wohnung der
damaligen amerikanischen Besatzungsmacht zur Verfügung stellen musste.
Mit
dem Wiederaufbau der Produktionsstätten in Plaue machte sich auch die Wiedereröffnung
des Kindergartens notwendig, denn viele Frauen hatten ihre Männer im Krieg
verloren und mussten demzufolge nun die Familie ernähren.
Fritz Bellanger,
damaliger Bürgermeister, forderte in einem Aufruf zur Mithilfe bei den
Instandsetzungsarbeiten am Kindergarten auf. Mitglieder der FDJ beseitigten den
Schlamm im Garten und reparierten den Zaun. Die Frauen des DFD brachten die
Inneneinrichtung in Ordnung und sammelten Spielsachen im Ort. Zur Wiedereröffnung
des Kindergartens
am 1. August 1946
fand ein Kinderfest statt, für welches löffelweise Mehl und Zucker sowie Eier
und Milch gesammelt wurden.
Die
Leitung des Kindergartens übernahm 1946 Frau Sieglinde Korn.
An ein warmes
Mittagessen konnte jedoch immer noch nicht gedacht werden, denn es gab erst später
eine Schulspeisung, die den Kindergarten mitversorgte.
In der damaligen schweren Zeit gab es auch
zwei Helferinnen – Lisa Zitzmann (Bild)
(heute
Müller) und Inge Pilz als Kinderpflegerinnen.
Eine Waschbank
mit drei Schüsseln für 50 bis 60 Kinder war damals schon eine große
Verbesserung der hygienischen Bedingungen. Die Toiletten waren draußen und das
Wasser musste auch extern geholt werden. Im langen und kalten Winter 1947/48
mussten die Kinder Holz und Kohlen von zu Hause mitbringen – doch bei minus 20
Grad musste der Kindergarten für kurze Zeit geschlossen werden. In dieser
Nachkriegszeit hatten die Kinder sehr oft Hunger.
1947 fand in
Arnstadt der erste Ausbildungskurs für Erziehungshelferinnen statt, an dem auch
die Kinderpflegerinnen aus Plaue teilnahmen.
Im
Jahre 1948 übernahm Frau Maria Löschner (Bild) die Leitung des Kindergartens.
Auch sie hatte
Schwierigkeiten, die Bedingungen der Kinder zu verbessern.
So wurde z. B. Magermilch in die Einrichtung geliefert, aus der die Erzieherinnen Quark herstellten, der mit Süßstoff angereichert wurde.
Bis 1956 wohnte
die damalige Leiterin im Haus. Danach konnten die Räume für die Betreuung der
Kinder genutzt werden.
1949 wurden in
Plaue alle 5 bis 6-jährigen Kinder erfasst. Alle Kinder sollten in einen
Kindergarten gehen, um nach dem Vorbild des Pädagogen Fröbel zu lernen.
1952 wurden
erstmals Ziele und Aufgaben für die pädagogische Arbeit im Kindergarten
schriftlich fixiert. Zu dieser Zeit waren ca. 70 Kinder im Kindergarten
angemeldet.
Nach und nach
gelang es, mit Hilfe von gesellschaftlichen Kräften die Arbeits- und
Lebensbedingungen im Kindergarten zu verbessern. Gardinen wurden angeschafft –
vorerst aus Igelitt, später aus Stoff. Von der Volkssolidarität erhielten die
Kinder Decken und Geschirr.
Bis zum Auszug
der Leiterin aus dem Hause arbeiteten die Erzieherinnen bereits in der 50er
Jahren in drei Gruppen – eine war im Zimmer, die anderen bewegten sich im
Freien.
Ab 1961 kam ein
neuer Bildungs- und Erziehungsplan heraus, nach dem auch in Plaue gearbeitet
wurde. Schon 1967 nahmen die Erzieherinnen den Kampf um den Titel „Kollektiv
der sozialistischen Arbeit“ auf.
1968/69 wurde mit
dem Anbau der sanitären Anlagen sowie einem Gruppenraum begonnen und am 1. Juni
1970 konnte dieser Trakt seiner Bestimmung übergeben werden. Dies stellte eine
erhebliche Verbesserung der Bedingungen für Kinder und Personal dar.
1979
wurde der Geräteschuppen im NAW-Einsatz (Nationales Aufbauwerk) und 1981 der nächste
Gruppenraum im hinteren Bereich angebaut. An diesen Baumaßnahmen beteiligten
sich vor allem die Väter und Großväter der damaligen Kindergartenkinder.
1982 wurden in
allen Räumen Nachspeicheröfen eingebaut, Wandverkleidungen angebracht und neue
Fenster eingesetzt. Diese Modernisierung war wiederum ein großer Fortschritt.
1985
beteiligten sich alle Kinder und Erzieherinnen an der 650-Jahrfeier der Stadt
Plaue und präsentierten sich im großen Festumzug.
In diesem Jahr wurde auch ein neues Programm zur Bildungs- und Erziehungsarbeit herausgegeben, welches die Richtlinie in allen Kindergärten war.
Bald danach wurde Frau Inge Zöllner (im
Bild links) , die damalige Leiterin, sehr krank, so dass
Frau Tschernatsch (im
Bild rechts)
die Leitung übernahm.
1989 wurde der
Plattenweg um das Gebäude herum verlegt und der Spielplatz um einiges verschönert.
Im November 1989
brach das sozialistische System zusammen und die damalige Volksbildung als Träger
der Kindergärten stand vor neuen Aufgaben.
1991
wurden die Kindereinrichtungen der Stadt Plaue, d. h. die Kindergärten in Plaue
und Kleinbreitenbach sowie die Kinderkrippe der Kommune übergeben und zu einer
Kindertagesstätte zusammengeschlossen. Alle drei Einrichtungen beherbergten zu
diesem Zeitpunkt noch so viele Kinder, dass sie wirtschaftlich betrieben werden
konnten.
Die Leiterin der
Einrichtung in Kleinbreitenbach, Frau Jutta Mämpel, übernahm nun die
Gesamtleitung dieser Kindertagesstätte. 1991 wurden erste Verbindungen zur
neuen Partnerstadt Immenhausen in Nordhessen aufgenommen, die einen Fußbodenbelag
für das gesamte Gebäude des Kindergartens spendete.
1992 kamen mehr
als 30 Kinder in die Schule. Damit entstand eine Überkapazität an
Kindergartenplätzen, die abgebaut werden musste. Das hatte zur Folge, dass die
kleinste der drei Einrichtungen, der Kindergarten Kleinbreitenbach, geschlossen
wurde. Erste Entlassungen des Personals waren die Folge.
Im Sommer des
gleichen Jahres wurden die sanitären Anlagen und die Küche modernisiert und
hochwertige Küchenmöbel eingebaut, was wiederum eine erhebliche Verbesserung
der Arbeitsbedingungen darstellte. Außerdem wurde eine moderne Heizungsanlage
installiert.
Bald sank die
Kinderanzahl so stark, dass sich auch die zwei verbliebenen Häuser nicht mehr
rechneten. Daraus resultierend wurde die Kinderkrippe in der Kleinen Feldstraße
geschlossen und das Haus verkauft. Die kleinen Kinder kamen jetzt mit in den
Kindergarten in der umbenannten Schützenstraße (früher Georgi-Dimitroff-Straße).
Damit musste das
Konzept der Kindertagesstätte überarbeitet werden, das auch eine neue
Betriebserlaubnis erforderte. Danach wurden auch nur noch Kinder aufgenommen,
die laut Gesetz einen Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz hatten.

In
den Folgejahren stieg die Kinderzahl in Plaue jedoch wieder an (bedingt durch
die mit den neuen Wohngebieten verbundenen Zuzüge), sodass die Kindergartenplätze
knapp wurden. Laut Betriebserlaubnis standen nur noch 50 Plätze zur Verfügung
– der Rest der Kinder musste im kommunalen Kindergarten in Gräfenroda
untergebracht werden, was keine befriedigende Lösung des Problems darstellte.
Nach angestellten Prognosen und langem Für und Wider bezüglich einer
Kindergartenerweiterung bzw. eines Neubaus fiel die Entscheidung letztlich für
einen Neubau am Ende der Straße des Friedens. Dort steht er nun zwischen der
jetzigen Grundschule, die bis 2003 noch Regelschule war und dem neuen
Feuerwehrgerätehaus und der Turnhalle. Zur Eröffnung standen 60 Plätze zur
Verfügung.
Am 1. August 2002 wurde mit dem Bau begonnen und nach einjähriger Bauzeit konnte der neue Kindergarten am 16. August 2003 feierlich mit einem großen Rahmenprogramm eröffnet werden.
Die
Investitionskosten betragen ca. 1 Mio €, die aus Fördermitteln und
Bedarfszuweisungen (Mittel des Landes, wenn die Kommune in Finanznöten ist)
finanziert wurden, wobei der Eigenanteil der Stadt nur durch den Verkauf des
alten Kindergartens erbracht werden konnte. Die Raumaufteilung des Kindergartens
ist so gestaltet, dass bei Bedarf noch eine weiterer Gruppenraum eingerichtet
werden kann. Dies wurde im Jahr 2005 auch notwendig, denn die Anzahl der
anspruchsberechtigten Kinder auf einen Platz steigt stetig an. Derzeit besuchen
66 Kinder die Einrichtung, die damit sehr gut ausgelastet ist.
Im Jahr 2008 wurde ein Klimagerät für die obere Etage, die als Schlafraum genutzt wird, eingebaut, weil es in der warmen Jahreszeit dort sehr warm wurde.
Im Jahr 2009 wurde eine Gruppe für Kleinstkinder ab einem Jahr eröffnet, um der Nachfrage nach Krippenplätzen gerecht zu werden. Die Kapazität beträgt zwölf Plätze, die derzeit ausgelastet sind.